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Sylter Grenzerfahrung

Pressemitteilung   •   Okt 30, 2018 14:14 CET

(c) Martin Tschepe_Sylt Marketing GmbH_Mega Marsch Sylt 2018

Mega Marsch Sylt – Der Erfahrungsbericht eines Teilnehmers

Einmal um die Insel Sylt wandern, nonstop 100 Kilometer weit in maximal 24 Stunden. Geht das? Unser Autor Martin Tschepe ist mitgelaufen beim ersten Mega Marsch auf Sylt.

Das sind sie also, die 333 angemeldeten Männer und Frauen, die alle schon mindestens einen Mega-Marsch gefinisht haben, die 100 Kilometer weit gelaufen sind in maximal 24 Stunden. Und ich mitten drin.

Die Sonne lacht am Sonnabendnachmittag vom Himmel, der Wind bläst nur ganz leicht, beste Bedingungen. Petrus meint es gut mit den Sportlern, die aus allen Ecken der Republik und aus dem Ausland angereist sind und sich an der Musikmuschel zum Gruppenfoto aufstellen. Die Schar ist bunt gemischt: Junge und Ältere, Dicke und Dünne, Menschen, die viel reden und schweigsame Zeitgenossen. Manche haben lediglich eine spartanische Ausrüstung dabei, andere tragen schwere Rucksäcke. Die meisten starten mit Laufschuhen, einige mit schweren Wanderschuhen.

16 Uhr, der Startschuss. Wir laufen in flottem Tempo in Richtung Norden, zunächst direkt am Wasser entlang. Die tief stehende Sonne wirft ein tolles Licht auf die Dünen und auf die See. Wie an einer Perlenkette aufgereiht laufen die bunt gekleideten Sportler zunächst nach Wenningstedt.

Nach ein paar Kilometern findet sich meine erste Kleingruppe, zu viert werden wir die nächsten 40 Kilometer zusammenbleiben. Thomas, 50 Jahre, Feuerwehrmann aus Dortmund, Michael, 52, aus Holland und Barbara, 70, Rentnerin aus Alt-Westerland. Barbara ist der Hammer. Sie macht das Tempo und erzählt fast nonstop. Von ihrem Leben auf Sylt, sie war früher Krankenschwester, und von sportlichen Erfolgen.

Meine Beine sind gut, der Mega-Marsch macht noch mega Spaß. Die GPS-Uhr am Handgelenk sagt, dass wir den Kilometer in etwa zehn Minuten machen. Wir kommen also ganz flott voran. Schon bald liegt Kampen hinter uns, auch das Klappholttal mit der Akademie am Meer.

Der Wind wird stärker und bläst von vorne, bald geht die Sonne unter. Der Weg führt uns immer noch in Richtung Norden. Ab und zu einen Schluck Wasser trinken. Hunger habe ich noch nicht. Notfalls hätte ich aber genügend Proviant im Rucksack. Später werde ich wissen: Ich habe viel zu viel Gepäck dabei. Würste und Kekse, Gummibärchen und Nüsse, jede Menge Wechselkleidung. Mittlerweile ist es stockfinster, aber (noch) nicht kalt.

22 Kilometer, knapp vier Stunden

Die erste Verpflegungsstation. Im Erlebniszentrum Naturgewalten in List gibt es Müsliriegel und Salami, Brötchen, Bananen, Äpfel, Wasser, isotonische Getränke, Schokolade, Kaffee und Brühe. Geschätzt 15 Minuten Pause, dann treffen wir vier uns wieder draußen vor der Türe und marschieren weiter – hinein in diese ganz besondere Sylter Nacht. Mittlerweile ist der Mond aufgegangen, er wird uns die ganze Nacht leuchten. Am sternenklaren Himmel sind ungezählte Himmelskörper zu sehen. Was für eine Nacht! Wir marschieren vorbei am Lister Hafen, wo die Fähre nach Dänemark startet, und dann lange in Richtung Süden. Beim Mega-Marsch umrunden wir die Insel im Uhrzeigersinn. Wir kommen vorbei an imposanten Einfamilienhäusern und geparkten Nobelkarossen. Die Insel schläft.

Bei Kilometer 35 beginnen meine Fußsohlen zu brennen. Hoffentlich nicht schon die erste Wasserblase. Wir laufen durch die Braderuper Heide, vorbei am Munkmarscher Hafen mit dem mondänen Fährhaus. Dann geht es direkt am Watt entlang nach Keitum. Links ist der beleuchtete Turm der Kirche St. Severin zu erkennen. In Keitum irren wir erst durch die Gassen, finden dann aber die zweite Verpflegungsstation.

42 Kilometer, knapp acht Stunden

In der alten Turnhalle ist die Hölle los. Einige Wanderer begutachten ihre Füße, betreiben Schadensbegrenzung mit Hilfe von Blasenpflastern. Ich entdecke eine Blase am Ballen des linken Fußes. Das kann ja heiter werden: noch 60 Kilometer mit einem lädierten Fuß.

Wieder nur eine Viertelstunde Pause, Barbara hat es eilig. Sie treibt uns an. Wir laufen also wieder los, ich mit gemischten Gefühlen. Jetzt beginnt der Kampf. Nach weiteren fünf Kilometern lasse ich meine lieb gewonnenen Mitmarschierer ziehen, mache ein paar Fotos und dann mein eigenes Tempo. Später wird Thomas erzählen, dass auch Michael bald verloren gegangen ist, dass er und Barbara nach etwa 19 Stunden im Ziel angekommen sind. Aber bis ins Ziel ist es noch schier unendlich weit. Mitunter bin ich ganz allein unterwegs, meistens indes kann ich ein paar Mitwanderer in weiter Ferne erkennen, die meisten tragen nämlich Stirnlampen. Wir marschieren durch Morsum, vorbei an der Kirche St. Martin und später lange am Deich entlang in Richtung Rantum Becken. Meine Sohlen brennen stärker, jetzt auch am rechten Fuß, die Oberschenkel schmerzen, die Kniegelenke zwicken. Fast alles tut weh. Plötzlich ist er da, dieser Gedanke: das wird nichts. Was für eine Schnapsidee! 100 Kilometer weit laufen ohne passendes Training. Es wird bitterkalt, die Scheiben der abgestellten Autos sind zugefroren. Was würde ich jetzt geben für eine heiße Dusche.

60 Kilometer, gut zwölf Stunden

Wir erreichen die dritte Versorgungsstation im Alten Schöpfwerk Keitum. Leider ist das Gebäude nicht beheizt und es gibt auch keine warmen Getränke. Viele Marschierer sind am Ende, sie kauern auf dem Boden, sitzen erschöpft auf der Treppe. Manche geben auf, bestellen ein Taxi, fahren zurück ins Hotel. Ich hab’ keinen Hunger, esse trotzdem ein bisschen was und treffe Alex aus Thüringen. Er ist auch schon ziemlich fertig, sagt aber diese vier Worte, die ich auch gerne verwende: „Aufgeben ist keine Option.“ Nach einer guten halben Stunde Pause machen wir uns auf den Weg nach Hörnum. Über Wege mit Schafsdreck, über den Damm des Rantum Beckens. Vorbei am Rantumer Hafen und durch den wie ausgestorben wirkenden Ort, später dann vorbei an der Sansibar.

Nach einer gefühlten Ewigkeit deutet Alex auf einen Antennenmast und sagt: „Wir haben 75 Kilometer geschafft.“ Mein persönlicher Rekord ist schon mal geknackt. Ich poste ein Selfie auf Facebook, schreibe, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich die verbleibenden Kilometer auch noch packen werde. Ein paar Freunde, die an diesem frühen Morgen tatsächlich wach sind, antworten mit aufmunternden Kommentaren.

Es dämmert, endlich. Ganz langsam wird es wieder hell und etwas wärmer. Den spektakulären Sonnenaufgang ohne jede Wolke erleben wir am Watt bei Hörnum-Nord. Mit der Sonne kommt ein klein bisschen Mut zurück. Vielleicht schaffe ich die letzte Etappe von Hörnum nach Westerland zur Musikmuschel doch.

80 Kilometer, 17 Stunden

Mit schweren Beinen erreiche ich die vierte und letzte Verpflegungsstation im Gebäude der Gemeindeverwaltung Hörnum. Diese Pause wird länger, mit Kaffee und frischen Brötchen. In dem Raum, in dem gewöhnlich die Gemeindevertreter tagen, sitzen und liegen erschöpfte Gestalten. Manche schlafen ein bisschen, viele versorgen ihre lädierten Füße. Man hilft sich gegenseitig, ich bekomme von einer Mitmarschiererin zwei Blasenpflaster geschenkt, ich habe meine nämlich in Keitum liegen gelassen. Man spricht sich Mut zu für die letzten 20 Kilometer. Nach etwa einer Stunde rappele ich mich auf.

Warum nur mache ich das hier? Dieser Gedanke kommt Ausdauersportlern oft in den Sinn. Psychologen sprechen von einer Angstlust. Das Glücksgefühl, diese Angstlust zu überwinden und ein selbst gesetztes Ziel zu erreichen, sei überwältigend.

Also los, die letzte Etappe. Die Sohlen brennen wie Feuer, die Muskeln rebellieren immer mehr, die Sehnen schmerzen. Aber die Sonne lacht wieder vom Himmel. Und auf dem Weg von Hörnum über Rantum nach Westerland, teilweise am Strand entlang, werden die Megamarschierer oft von Passanten beglückwünscht. Die letzten Kilometer laufen sich trotz aller Schmerzen fast von allein. Ganz kurz vor dem Ziel noch eine fiese Herausforderung: die Himmelsleiter, die lange Treppe führt hinauf auf die große Düne am Westerländer Strand. Nach rund 23 Stunden ist mein erster Hunderter geschafft. Ich bin zurück an der Musikmuschel, wie schön. Dieser Mega Marsch war eine echte Grenzerfahrung, das vielleicht härteste Ein-Tages-Sportevent überhaupt.

Der Bericht stammt von Martin Tschepe (53)/ Journalist und Langstreckenschwimmer.

Gut zu wissen:

Der erste Mega Marsch Sylt war ein voller Erfolg. Von gestarteten 320 Wanderern gingen letztendlich 247 in das langersehnte Ziel. Das Veranstaltungsdatum im Herbst wurde bewusst gewählt, um die sportliche Herausforderung unter Sylter Witterungsverhältnissen in dieser Jahreszeit zu fordern. Der Mega Marsch umfasst eine sportliche Wanderung, bei der es gilt 100 km in 24 Stunden zurück zu legen. Die Strecke auf Sylt führte einmal rund um die Insel.

Alle Interessierten dürfen sich freuen: Nach dem ersten Feedbackgespräch verkündete das Mega-Marsch-Team bereits die Fortsetzung des Laufs im nächsten Jahr. In den kommenden Wochen finden sich weitere Informationen auf der Internetseite www.megamarsch.de 

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